Hinter Gittern im eigenen Kiez: Wir dürfen wütend sein

Von heute auf morgen aufzuwachen und festzustellen, dass das eigene Lebensumfeld eingezäunt wurde – das macht etwas mit den Menschen. Die Bauzäune, die die HOWOGE plötzlich im Ilse-Kiez hochgezogen hat, sind weit mehr als nur Absperrungen aus Metall. Sie sind eine vom Berliner Senat erlaubte Machtdemonstration. Für viele Anwohnerinnen und Anwohner weckt dieser Anblick schmerzhafte, beklemmende Erinnerungen an eine Zeit der Mauern und der psychischen Einschüchterung, wie man sie im Osten sonst nur aus Stasi-Zeiten kannte. Menschen im eigenen Zuhause einzuzäunen und zu verängstigen – schlimmer geht es kaum.

Seit über 10 Jahren engagieren wir uns friedlich, sachlich und mit enormem Herzblut für eine moderate Bebauung und den Erhalt unserer jederzeit nutzbare grüne Innenhöfe. Wir haben stets an die demokratischen Prozesse geglaubt. Doch der Senat aus SPD und CDU tritt dieses basisdemokratische Engagement nun mit Füßen. Es ist offensichtlich: Aus nackter Angst vor dem Wählerwillen bei den baldigen Wahlen sollen hier mit der Brechstange unumkehrbare Tatsachen geschaffen werden. Anstatt den Bürgerinnen und Bürgern zu vertrauen, dass sie souverän über die Zukunft ihrer Stadt entscheiden, wird der Bezirk Lichtenberg und das Bezirksamt durch politische Weisungen von oben wohl regelrecht bedrängt, abgelaufene Genehmigungen im Eiltempo durchzuwinken.

Der psychologische Druck auf uns Anwohner ist immens, doch die größte Verzweiflung gilt unserer Natur. Ab dem 1. Oktober, wenn die gesetzliche Vogelschutzzeit endet, droht unter dem gnadenlosen Zeitdruck und der aktiven Anweisung des Senats ein regelrechtes Baummassaker. Der Gedanke, dass in wenigen Wochen die Kettensägen aufheulen, um unsere alten Schattenspender zu vernichten, zerreißt uns das Herz. Und das alles auf Vorrat, bevor überhaupt endgültiges Baurecht besteht! Schon jetzt zerstört das Befahren der unversiegelten Höfe mit schwerem Gerät schleichend die empfindlichen Wurzeln unserer Altbäume.

Wir fordern Bürgermeister Wegner, Herrn Evers und Bausenator Gaebler auf: Bauen Sie diese „Mauer“ vor unseren Haustüren wieder ab!

Hören Sie auf, unseren Kiez mit Verachtung und Angst zu fluten. Wir lassen nicht zu, dass unsere grüne Lunge und das demokratische Miteinander in Karlshorst einer rücksichtslosen Machtpolitik geopfert werden.

Die Zäune müssen weg – JETZTtear down this wall!

⚠️ Zeitfalle vor dem 1. Oktober: Offener Brief an das Bezirksamt Lichtenberg

Während das Stadtentwicklungsamt Lichtenberg die HOWOGE-Verlängerungsanträge der abgelaufenen Baugenehmigungen bis voraussichtlich Dezember prüft, endet am 30. September die gesetzliche Vogelschutzzeit.

Es besteht die Gefahr, dass die HOWOGE Bäume rodet, bevor im Dezember rechtlich geklärt ist, ob überhaupt gebaut werden darf. Ein gefällter Baum lässt sich nicht wieder aufstellen. Um dieses Szenario zu verhindern, haben wir uns direkt an das Bezirksamt gewandt:

Offener Brief

Bürgerinitiative „Rettet den Ilse-Kiez

Berlin, im August 2026

An das
Bezirksamt Lichtenberg von Berlin
Möllendorffstraße 6
10367 Berlin

Per E-Mail und vorab öffentlich auf ilse-kiez.de


Betreff:
Dringender Handlungsbedarf vor Beginn der Fällsaison am 1. Oktober 2026 – Widerruf bzw. Aussetzung der Baumfällgenehmigungen sowie Anordnung des Rückbaus der Bauzäune

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,

mit großer Sorge beobachten wir die aktuellen Entwicklungen im Ilse-Kiez. Die Errichtung der Bauzäune durch die HOWOGE hat bei vielen Anwohnerinnen und Anwohnern den Eindruck erweckt, dass bereits Tatsachen geschaffen werden sollen, obwohl wesentliche rechtliche Fragen zum Bauvorhaben weiterhin ungeklärt sind.

Seit mehr als zehn Jahren engagieren sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Initiativen sowie gewählte Vertreterinnen und Vertreter für eine maßvolle Entwicklung des Quartiers, den Erhalt der Innenhöfe und den Schutz des gewachsenen Baumbestandes. Dabei ging und geht es nicht um die grundsätzliche Ablehnung von Wohnungsbau, sondern um die Suche nach Lösungen, die den Bedürfnissen nach bezahlbarem Wohnraum ebenso gerecht werden wie den Interessen der Nachbarschaft und dem Schutz wertvoller Grünflächen.

Gerade deshalb erfüllt viele Menschen im Kiez die Sorge, dass vor Abschluss der laufenden Prüfverfahren unumkehrbare Maßnahmen ergriffen werden könnten. Mit Blick auf das bevorstehende Ende der Vogelschutzzeit am 30. September besteht die Gefahr, dass bereits ab dem 1. Oktober Baumfällungen erfolgen, obwohl die baurechtlichen Voraussetzungen weiterhin nicht abschließend geklärt sind.

Eine solche Entwicklung würde das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger in die Fairness und Offenheit des Verwaltungsverfahrens erheblich belasten. Umso wichtiger ist es jetzt, rechtsstaatliche Verfahren mit der gebotenen Sorgfalt und ohne zeitlichen oder politischen Druck zu Ende zu führen.

Unsere Forderungen

  1. die bestehenden Baumfällgenehmigungen im Hinblick auf einen möglichen Zweckfortfall gemäß § 49 Abs. 2 Nr. 3 VwVfG unverzüglich zu überprüfen,
  2. hilfsweise das Ruhen beziehungsweise die Aussetzung der Vollziehung der Baumfällgenehmigungen anzuordnen, bis über die Verlängerung der Baugenehmigungen rechts- und bestandskräftig entschieden wurde,
  3. die Entfernung der aufgestellten Bauzäune anzuordnen, da von ihnen bereits jetzt Beeinträchtigungen geschützter Vegetationsflächen und des Baumbestandes ausgehen,
  4. sicherzustellen, dass vor Abschluss der laufenden Verfahren keine irreversiblen Eingriffe in den Baumbestand erfolgen.

Begründung

Baumfällgenehmigungen nach der Berliner Baumschutzverordnung sind an einen konkreten Zweck gebunden. Sie dienen der Umsetzung eines rechtlich abgesicherten Bauvorhabens. Solange die bauplanungs- und genehmigungsrechtliche Situation nicht abschließend geklärt ist, erscheint es problematisch, irreversible Eingriffe in Natur und Landschaft vorzunehmen.

Besondere Bedeutung kommt dabei dem angekündigten Bebauungsplanverfahren 11-125 zu. Würden vor Abschluss des Verfahrens große Teile des Baumbestandes entfernt, könnte dies die tatsächlichen Grundlagen für die erforderlichen Umweltbewertungen erheblich verändern. Eine sorgfältige und nachvollziehbare Planung setzt voraus, dass die bestehenden Umwelt- und Vegetationsstrukturen zunächst erhalten bleiben.

Hinzu kommt, dass bereits die Aufstellung von Bauzäunen und die Nutzung unversiegelter Flächen durch schweres Gerät Risiken für die geschützte Vegetation mit sich bringen können. Verdichtungen des Bodens im Wurzelbereich alter Bäume können langfristige Schäden verursachen. Auch aus Gründen der Vorsorge erscheint daher ein vorläufiger Rückbau der Bauzäune sachgerecht.

Wir appellieren an das Bezirksamt, seinen Handlungsspielraum zu nutzen und sicherzustellen, dass bis zur abschließenden Klärung der Rechtslage keine unumkehrbaren Tatsachen geschaffen werden. Der Schutz des Baumbestandes, die Glaubwürdigkeit demokratischer Verfahren und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die öffentlichen Institutionen verdienen jetzt besondere Aufmerksamkeit.

Wir bitten um eine schriftliche Bestätigung des Eingangs dieses Schreibens sowie um Information über die eingeleiteten Prüfschritte.

Mit freundlichen Grüßen

Bürgerinitiative „Rettet den Ilse-Kiez“

Der Offene Brief ist hier downloadbar.

HOWOGE fragt: „Was können wir besser machen?“ – Unsere Antworten hängen längst an den Bauzäunen!

Auf aktuellen Plakaten fragt die HOWOGE: „Ihre Meinung bringt uns weiter! Was können wir besser machen?“

Wir machen die Rückmeldung kurz und direkt:

1. Höfe erhalten statt zubetonieren

Wenn Sie wissen wollen, was besser werden kann: Stoppen Sie die Nachverdichtung gegen den Willen der Anwohner. Unser Kiez braucht Freiflächen, Bäume und Atemraum – keinen weiteren Betonklotz im Innenhof.

2. Echte Beteiligung statt Ankreuzbögen

Eine Umfrage mit bunten Smiley-Gesichtern ersetzt keine echte Bürgerbeteiligung. Wer die Meinung der Mieter wirklich schätzen würde, hätte die Pläne für die Bauzäune gar nicht erst ohne Rücksprache umgesetzt.

3. Auf die Nachbarschaft hören

Die Meinung der Anwohner liegt bereits seit Monaten vor: auf Flyern, in Offenen Briefen und lautstark an unserem Protestzaun. Man muss sie nur lesen wollen.

Mach mit:

  • Bogen ausfüllen: Nutzt das Freitextfeld in der Post für ein deutliches NEIN zum Bauprojekt.

  • Online antworten: Feedback direkt auf howoge.de/Mieterbefragung hinterlassen.

  • Protest zeigen: A4-Schild ausdrucken, Rotes Smiley an den Zaun hängen.

 

Demokratie fängt im Kiez an: Ein Wink für den Wahltag

Wenn ein landeseigenes Wohnungsbauunternehmen mit Befragungsaktionen Dialogbereitschaft signalisiert, während vor Ort vollendete Tatsachen geschaffen werden, hinterlässt das in der Nachbarschaft Fragen.

Eine lebendige Demokratie lebt davon, dass die Anliegen der Bürger ernst genommen werden – nicht nur auf Fragebögen, sondern bei den konkreten Entscheidungen vor unserer Haustür. Für die anstehenden Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ist das ein wichtiger Orientierungspunkt:

  • Taten statt Symbole: Bunte Plakate ersetzen keine echte Einbindung. Was im Kiez zählt, ist der tatsächliche Einsatz für den Erhalt unserer Freiflächen.

  • Haltung zeigen: Wer Vertrauen in politische Entscheidungen stärken möchte, muss die Stimmen in der Nachbarschaft frühzeitig hören und einbeziehen.

Ein Blick auf unsere Höfe zeigt am besten, welche Politik sich vor Ort für die Lebensqualität der Anwohner einsetzt.