⚠️ Zeitfalle vor dem 1. Oktober: Offener Brief an das Bezirksamt Lichtenberg

Während das Stadtentwicklungsamt Lichtenberg die abgelaufenen Baugenehmigungen der HOWOGE bis voraussichtlich Dezember prüft, endet am 30. September die gesetzliche Vogelschutzzeit.

Es besteht die Gefahr, dass die HOWOGE Bäume rodet, bevor im Dezember rechtlich geklärt ist, ob überhaupt gebaut werden darf. Ein gefällter Baum lässt sich nicht wieder aufstellen. Um dieses Szenario zu verhindern, haben wir uns direkt an das Bezirksamt gewandt:

Offener Brief

Bürgerinitiative „Rettet den Ilse-Kiez

Berlin, im August 2026

An das
Bezirksamt Lichtenberg von Berlin
Möllendorffstraße 6
10367 Berlin

Per E-Mail und vorab öffentlich auf ilse-kiez.de


Betreff:
Dringender Handlungsbedarf vor Beginn der Fällsaison am 1. Oktober 2026 – Widerruf bzw. Aussetzung der Baumfällgenehmigungen sowie Anordnung des Rückbaus der Bauzäune

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,

mit großer Sorge beobachten wir die aktuellen Entwicklungen im Ilse-Kiez. Die Errichtung der Bauzäune durch die HOWOGE hat bei vielen Anwohnerinnen und Anwohnern den Eindruck erweckt, dass bereits Tatsachen geschaffen werden sollen, obwohl wesentliche rechtliche Fragen zum Bauvorhaben weiterhin ungeklärt sind.

Seit mehr als zehn Jahren engagieren sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Initiativen sowie gewählte Vertreterinnen und Vertreter für eine maßvolle Entwicklung des Quartiers, den Erhalt der Innenhöfe und den Schutz des gewachsenen Baumbestandes. Dabei ging und geht es nicht um die grundsätzliche Ablehnung von Wohnungsbau, sondern um die Suche nach Lösungen, die den Bedürfnissen nach bezahlbarem Wohnraum ebenso gerecht werden wie den Interessen der Nachbarschaft und dem Schutz wertvoller Grünflächen.

Gerade deshalb erfüllt viele Menschen im Kiez die Sorge, dass vor Abschluss der laufenden Prüfverfahren unumkehrbare Maßnahmen ergriffen werden könnten. Mit Blick auf das bevorstehende Ende der Vogelschutzzeit am 30. September besteht die Gefahr, dass bereits ab dem 1. Oktober Baumfällungen erfolgen, obwohl die baurechtlichen Voraussetzungen weiterhin nicht abschließend geklärt sind.

Eine solche Entwicklung würde das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger in die Fairness und Offenheit des Verwaltungsverfahrens erheblich belasten. Umso wichtiger ist es jetzt, rechtsstaatliche Verfahren mit der gebotenen Sorgfalt und ohne zeitlichen oder politischen Druck zu Ende zu führen.

Unsere Forderungen

  1. die bestehenden Baumfällgenehmigungen im Hinblick auf einen möglichen Zweckfortfall gemäß § 49 Abs. 2 Nr. 3 VwVfG unverzüglich zu überprüfen,
  2. hilfsweise das Ruhen beziehungsweise die Aussetzung der Vollziehung der Baumfällgenehmigungen anzuordnen, bis über die Verlängerung der Baugenehmigungen rechts- und bestandskräftig entschieden wurde,
  3. die Entfernung der aufgestellten Bauzäune anzuordnen, da von ihnen bereits jetzt Beeinträchtigungen geschützter Vegetationsflächen und des Baumbestandes ausgehen,
  4. sicherzustellen, dass vor Abschluss der laufenden Verfahren keine irreversiblen Eingriffe in den Baumbestand erfolgen.

Begründung

Baumfällgenehmigungen nach der Berliner Baumschutzverordnung sind an einen konkreten Zweck gebunden. Sie dienen der Umsetzung eines rechtlich abgesicherten Bauvorhabens. Solange die bauplanungs- und genehmigungsrechtliche Situation nicht abschließend geklärt ist, erscheint es problematisch, irreversible Eingriffe in Natur und Landschaft vorzunehmen.

Besondere Bedeutung kommt dabei dem angekündigten Bebauungsplanverfahren 11-125 zu. Würden vor Abschluss des Verfahrens große Teile des Baumbestandes entfernt, könnte dies die tatsächlichen Grundlagen für die erforderlichen Umweltbewertungen erheblich verändern. Eine sorgfältige und nachvollziehbare Planung setzt voraus, dass die bestehenden Umwelt- und Vegetationsstrukturen zunächst erhalten bleiben.

Hinzu kommt, dass bereits die Aufstellung von Bauzäunen und die Nutzung unversiegelter Flächen durch schweres Gerät Risiken für die geschützte Vegetation mit sich bringen können. Verdichtungen des Bodens im Wurzelbereich alter Bäume können langfristige Schäden verursachen. Auch aus Gründen der Vorsorge erscheint daher ein vorläufiger Rückbau der Bauzäune sachgerecht.

Wir appellieren an das Bezirksamt, seinen Handlungsspielraum zu nutzen und sicherzustellen, dass bis zur abschließenden Klärung der Rechtslage keine unumkehrbaren Tatsachen geschaffen werden. Der Schutz des Baumbestandes, die Glaubwürdigkeit demokratischer Verfahren und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die öffentlichen Institutionen verdienen jetzt besondere Aufmerksamkeit.

Wir bitten um eine schriftliche Bestätigung des Eingangs dieses Schreibens sowie um Information über die eingeleiteten Prüfschritte.

Mit freundlichen Grüßen

Bürgerinitiative „Rettet den Ilse-Kiez“

Der Offene Brief ist hier downloadbar.

HOWOGE fragt: „Was können wir besser machen?“ – Unsere Antworten hängen längst an den Bauzäunen!

Auf aktuellen Plakaten fragt die HOWOGE: „Ihre Meinung bringt uns weiter! Was können wir besser machen?“

Wir machen die Rückmeldung kurz und direkt:

1. Höfe erhalten statt zubetonieren

Wenn Sie wissen wollen, was besser werden kann: Stoppen Sie die Nachverdichtung gegen den Willen der Anwohner. Unser Kiez braucht Freiflächen, Bäume und Atemraum – keinen weiteren Betonklotz im Innenhof.

2. Echte Beteiligung statt Ankreuzbögen

Eine Umfrage mit bunten Smiley-Gesichtern ersetzt keine echte Bürgerbeteiligung. Wer die Meinung der Mieter wirklich schätzen würde, hätte die Pläne für die Bauzäune gar nicht erst ohne Rücksprache umgesetzt.

3. Auf die Nachbarschaft hören

Die Meinung der Anwohner liegt bereits seit Monaten vor: auf Flyern, in Offenen Briefen und lautstark an unserem Protestzaun. Man muss sie nur lesen wollen.

Mach mit:

  • Bogen ausfüllen: Nutzt das Freitextfeld in der Post für ein deutliches NEIN zum Bauprojekt.

  • Online antworten: Feedback direkt auf howoge.de/Mieterbefragung hinterlassen.

  • Protest zeigen: A4-Schild ausdrucken, Rotes Smiley an den Zaun hängen.

 

Demokratie fängt im Kiez an: Ein Wink für den Wahltag

Wenn ein landeseigenes Wohnungsbauunternehmen mit Befragungsaktionen Dialogbereitschaft signalisiert, während vor Ort vollendete Tatsachen geschaffen werden, hinterlässt das in der Nachbarschaft Fragen.

Eine lebendige Demokratie lebt davon, dass die Anliegen der Bürger ernst genommen werden – nicht nur auf Fragebögen, sondern bei den konkreten Entscheidungen vor unserer Haustür. Für die anstehenden Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ist das ein wichtiger Orientierungspunkt:

  • Taten statt Symbole: Bunte Plakate ersetzen keine echte Einbindung. Was im Kiez zählt, ist der tatsächliche Einsatz für den Erhalt unserer Freiflächen.

  • Haltung zeigen: Wer Vertrauen in politische Entscheidungen stärken möchte, muss die Stimmen in der Nachbarschaft frühzeitig hören und einbeziehen.

Ein Blick auf unsere Höfe zeigt am besten, welche Politik sich vor Ort für die Lebensqualität der Anwohner einsetzt.

🎨 Das erste Zaunfeld hängt: Macht den HOWOGE-Zaun zu Eurer Stimme!

Update vom 07.08.2026

Wichtiger Hinweis zu unserer Zaun-Aktion:

Wir stehen für einen bunten, friedlichen und inhaltlichen Protest! Bitte nutzt für Eure Botschaften ausschließlich Papier, Pappe und Klarsichthüllen. Wir distanzieren uns ausdrücklich von Schmierereien oder Sachbeschädigungen. Lasst uns durch gute Argumente und starke Gemeinschaft überzeugen!

Die Bauzäune in unseren Innenhöfen stehen – aber wir lassen sie nicht unkommentiert. Die ersten Nachbarn haben bereits reagiert und das erste Gitterfeld mit klaren Botschaften, Fragen und Forderungen an die HOWOGE gestaltet.

Jetzt seid Ihr dran: Macht mit und befestigt Eure Meinung direkt am Zaun!

Warum wir das machen

Die HOWOGE hat die Absperrungen ohne Vorwarnung und mitten in ungeklärten Verfahren aufgestellt. Wenn uns schon der Zugang zu unseren Wiesen genommen wird, nutzen wir die Gitterstäbe als Plattform für das, was uns wichtig ist: Dialog auf Augenhöhe, Transparenz und der Erhalt unserer Lebensqualität.

Ob ausgedruckter Spruch, handschriftlicher Zettel, Kinderzeichnung oder persönliche Frage an die Geschäftsführung: Jede Stimme zählt!

Wie könnt Ihr mitmachen:

  1. Gestaltet eure Botschaft: Schreibt auf, was Euch zur Absperrung durch den Kopf geht, was Euch der Hof bedeutet oder was Ihr von der HOWOGE erwartet.

  2. Wetterfest verpacken: Packt das Papier am besten in eine einfache Klarsichthülle (Öffnung nach unten, damit kein Regen reingelangt).

  3. Am Zaun befestigen: Mit etwas Klebeband, Kabelbindern oder Wäscheklammern lässt sich die Nachricht direkt am Gitter fixieren.

  4. Foto machen & teilen: Macht ein Bild von Eurem Schild und schickt es uns oder teilt es in den sozialen Medien!

Ein sichtbares Zeichen: Je bunter und voller die Zäune werden, desto deutlicher sieht die HOWOGE und die Bezirkspolitik: Der Ilse-Kiez lässt sich nicht einfach wegzäunen.